Warum eigenes Saatgut Gold wert ist

Wenn du dich selbst um dein eigenes Saatgut bemühst, hast du viele Vorteile. Welche das sind, erfährst du in diesem Beitrag. Den einzigen Nachteil, der mir eingefallen ist, habe ich der Vollständigkeit halber am Ende aufgeführt.

Eigenes Saatgut versorgt dich mit optimal angepassten Pflanzen

Es dauert einige Generation. Aber mit jeder Generation und mit jeder guten Auslese kommen deine Nutzpflanzen besser mit den Gegebenheiten deines Gartens zurecht. Sie passen sich dem Wetter, dem Boden und sogar an Krankheiten und Schädlinge deiner Region an.

Was meine ich damit? Kennst du diese Saatgutwanderpakete?  Stell dir vor, du hast eines erhalten. Du hast dir ein Päckchen Tomatensamen herausgenommen. Die wolltest du schon immer mal probieren. Dein Tauschpartner wohnt in Hamburg, du in München. Die Samen sind von Tomaten, die sich gut ans feuchte Hamburger Klima angepasst haben Der Boden war sandig. Bei dir ist es nun etwas trockener und wärmer und du hast einen schweren Lehmboden.

Da die Tomaten gut gewachsen sind, sammelst du von den besten Tomaten die Samen und gibst sie im neuen Jahr wieder in deinen Garten. Und wenn du gut beobachten kannst und es dir gemerkt oder aufgeschrieben hast, dann wirst Unterschiede zur letzten Ernte feststellen. Vielleicht sind die Tomaten dieses Jahr etwas größer. Etwas aromatischer. Vielleicht sind sie etwas kleiner aber dafür mehr Tomaten an einer Pflanze.

Mit etwas Geduld hast du nach ein paar Jahren mit kontrollierter Auslese eine Pflanze, die sich ihrer Umgebung optimal angepasst hat. Ja. Sie ist dann nicht mehr 100% identisch mit dem Saatgut, welches du bekommen hast. Aber genau daraus entsteht Vielfalt.

Du sorgst für Artenvielfalt

Die meisten Menschen kaufen ihr Saatgut im Discounter oder Baumarkt. Doch was bekommst du dort? Vielleicht zwei Sorten Radieschen. Maximal drei Sorten Tomaten. Und dann hast du deinen Garten in einer Kleingartenanlage in der 95% dieses Saatgut verwenden. Leichtes Rechenbeispiel. Bei 100 Gärten in dieser Anlage wachsen in 95 Gärten die gleichen Tomaten. Und was passiert noch in so einer Anlage? Blumen werden untereinander getauscht. Alles, was durch Wurzelteilung, zufällige Verbreitung, Knollen- und Zwiebelbildung, also vegetativ, zuviel ist, wird an den Nachbarn verschenkt. Also ist nicht mal da Vielfalt angesagt.

Das schlimme daran ist, dass die Artenvielfalt verschwindet. Und viele Insekten sind auf nur eine einzige Pflanze spezialisiert. Zum Beispiel der Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Er braucht den Wiesenknopf zur Arterhaltung. Wenn jeder nur noch Schwertlilien und Dahlien im Garten hat und die natürlichen Flächen alle verschwinden, wo soll er dann noch Nahrung für sich und seine Nachkommen finden?

Und auch bei den Nutzpflanzen gibt es durchaus aromatischere Tomaten und Karotten als das die stark verbreiteten Supermarktsorten.

Eigenes Saatgut auch von Blumen
Sonnen- und Kornblumensamen als eigenes Saatgut gesammelt

Du schonst die Umwelt

Wenn du deinen Garten zur Samengärtnerei machst, reduzierst du deinen ökologischen Fußabdruck. Denn wegen dir muss weniger Saatgut aufwendig produziert werden. Dazu muss man wissen, wie Saatgut produziert wird.

Im normalen Handel erhältliches Saatgut ist fast ausschließlich Hybrid-Saatgut. Also eine Kreuzung aus zwei Pflanzen. Es muss also eine Mutter- und eine Vaterpflanze herangezogen und anschließend miteinander gekreuzt werden. Zwei Pflanzen welche Wasser, Licht, Erde, Dünger brauchen. Da alles kontrolliert ablaufen muss, heißt das also automatische Bewässerung, künstliches Licht und künstlicher Dünger. Vom Keimling bis zur Saatreife.

Danach automatische Abfüllstationen die in bunt bedrucktes Glanzpapier und bei sehr kleinen Saaten sogar noch kleine Folientütchen abfüllen. Alles in große Kartons verpacken und durch ganz Deutschland kutschieren. Bis es irgendwann im Einkaufswagen eines Gärtners landet sind Unmengen CO², Chemie und Plastik verbraucht worden.

Und da dieses Saatgut Hybridsaatgut ist, kannst du es nicht mal sammeln und im nächsten Jahr verwenden. Du musst ein neues Päckchen kaufen.

Da ist es doch sehr viel nachhaltiger, sich selbst um eigenes Saatgut zu kümmern. Von Pflanzen die mit Regenwasser, Sonne und Kompost gewachsen sind.

Du sparst Geld

Ok, so ein Tütchen samenfestes Saatgut kostet etwas mehr als eines aus dem Discounter. Allerdings musst du dieses nur einmal kaufen. Supermarktsamen jedes Jahr.

Wer ganz clever ist, investiert sogar nur in ein einziges Tütchen samenfestes Saatgut. Er sammelt dann sehr viel mehr Saatgut, als er braucht. Und auf Saatguttauschbörsen oder mit Saatgutwanderpaketen tauscht er sein eigens Saatgut gegen Sorten, die er noch nicht hat. 

Du bist unabhängig

Eigenes Saatgut zu produzieren heißt auch, sich unabhängig von der Wirtschaft zu machen und keine Saatgutkonzerne zu unterstützen. In der Zeit von Corona ist es vielen bewusst geworden. Wo bekomme ich meine Pflanzen für den Garten her? Wer dann Saatgut im Schrank hat, braucht sich darum keine Gedanken machen. Er kann sich seine Pflanzen vorziehen, wann immer es Zeit dafür ist. Es muss ja nicht gleich der komplette Garten umgestellt werden. Wenn es dieses Jahr Tomaten sind, kommen im nächsten Jahr Gurken dazu und im übernächsten Blumenkohl. Und ich fand es sehr beruhigend zu wissen, dass wir Pflanzen für unseren Garten haben werden, selbst wenn alle Läden geschlossen worden wären.

Der Nachteil

Den Nachteil möchte ich dir nicht verschweigen. Samengärtner zu werden ist natürlich mit Arbeit, Zeit und Verzicht verbunden. Du solltest deine Pflanzen gut beobachten und Auslese betreiben. Der VEN e.V. empfiehlt, wenigsten 12 Pflanzen einer Sorte anzubauen und von den besten sechs dein eigenes Saatgut zu sammeln. Je nach deinen Kriterien, musst du auch noch auf die besten Früchte verzichten. Denn aus ihnen sollen im nächsten Jahr neue Pflanzen mit diesen Eigenschaften wachsen.

Die Tüte aus dem Baumarkt ist natürlich schneller und einfacher in der Saatgutkiste. Aber Gärtner sind doch geduldige Menschen, oder? 😉

Vielfältiger und bunter wird dein Garten und dein Speiseplan auf jeden Fall durch eigenes Saatgut.

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